06.03.2016

Die grüne Nationalrätin und Ärztin Yvonne Gilli erzählte von ihren Eindrücken von der Parlamentarierreise in die Provinz Fukushima.
Auch mehr als drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe und dem Tsunami ist die Situation für die Bewohner der betroffenen Städte und Dörfer verheerend. 



"Die Menschen in Fukushima haben verschiedene Strategien entwickelt, um mit dem Trauma zurechtzukommen. Die einen sind voller Aktivismus, andere verdrängen die latente Gefahr der radioaktiven Verstrahlung", so Gilli. "Fakt ist, dass weite Teile der Region Fukushima unbewohnbar bleiben werden. Nicht nur der Verlust der Heimat und der Gemeinschaft wiegen enorm, auch die Angst v
or Schilddrüsenkrebs oder Leukämie. Von Green Cross organisierte Sommercamps bringen einen Lichtblick in das oft perspektivenlos scheinende Leben der Betroffenen. Da können Kinder endlich unbeschwert in der Natur spielen und sich in therapeutischen Aktivitäten ausdrücken. 
Vielerorts liegt verseuchte Erde in Säcken abgepackt auf den Feldern. Man versucht, die kleinsten Partikel, welche am meisten Cäsium 137 enthalten, herauszufiltern, um das Land wieder bebaubar zu machen. Im "Mothers' Club" lernen Mädchen und Frauen, wie sie verseuchte Lebensmittel zubereiten können. 
Nur wer es sich nicht leisten kann wegzuziehen, bleibt an den verstrahlten Orten. Mädchen berichten von beklemmenden Gesprächen unter ihresgleichen und von ihrer Angst um die Gesundheit ihrer zukünftigen Kinder und vor dem Stigma, welchem sie ausgesetzt sind. 
Immer noch sind viele Menschen in Notunterkünften oder in Turnhallen untergebracht. Sie leiden unter dem verloren gegangenen Heimatgefühl und dem Fehlen von liebgewonnen Traditionen."  Gilli kam auf die globalen Konsequenzen zu sprechen: "Die radioaktive Verstrahlung der Weltmeere ist noch nicht abschätzbar. An der Küste Kaliforniens ist Radioaktivität nachweisbar. Und vergessen wir nicht, betroffen ist am Ende die ganze Nahrungskette!"